Akademiker, Dandy, Geschäftsmann, Sportler, Weltenbummler, Komponist, Sänger und Fußballfan, der gleichzeitig auf Bayern München und Schalke 04 steht – der Mann ist nicht gerade ein Durchschnittstyp. Alexander Nestor Haddaway besitzt verblüffend viele Facetten. Mit 28 Millionen verkaufter Tonträger ist er ein global player in Sachen Pop, daneben besitzt er eine Menge anderer Talente, die bloße Bezeichnung „Popstar“greift also zu kurz.
Die Biographie
Akademiker, Dandy, Geschäftsmann, Sportler, Weltenbummler, Komponist, Sänger und Fußballfan, der gleichzeitig auf Bayern München und Schalke 04 steht – der Mann ist nicht gerade ein Durchschnittstyp. Alexander Nestor Haddaway besitzt verblüffend viele Facetten. Mit 28 Millionen verkaufter Tonträger ist er ein global player in Sachen Pop, daneben besitzt er eine Menge anderer Talente, die bloße Bezeichnung „Popstar“greift also zu kurz. Wieviele Popstars verfügen über einen Doktortitel in Politikwissenschaften und Geschichte der renommierten George Washington University in Washington D.C.? Wieviele Stars haben als Choreograph, Textilienhändler und Teppichbodenverleger gearbeitet? Wer spielte American Football, beherrscht Akido, fühlt sich auf Snowboard und Ski so sicher wie hinterm Steuer eines Rallye-Wagens? Und wer spricht neben Englisch, Holländisch, Französisch, Deutsch auch noch astreines Kölsch?
Kaum ein Thema, zu dem der passionierte Zeitungsleser nicht eine profunde Meinung äußern kann. Zu Stichworten wie etwa Meeresbiologie, Rassismus, Geschichte der nordamerikanischen Indianer und die Nahrungsmittelindustrie der USA kann der Mann aus dem Stand stundenlange Referate halten. Irgendwann entschied er, aus der Fülle seiner Begabungen eine heraus zu greifen: Die Musik. Mit Leidenschaft und Geschick legte der Perfektionist los und heraus kamen Evergreens wie „What Is Love“ und „Life“, weltweite Hits wie „Rock My Heart“, „Fly Away“ und „I Miss You“.
Die Haddaway-Story beginnt 1965 auf der Karibikinsel Trinidad/Tobago. Hier wird Alexander Nestor Haddaway als Sohn einer einheimischen Krankenschwester und eines holländischen Ozeanographen geboren. Nach nur drei Jahren verlässt er die Karnevalsinsel, dank der mütterlichen Gene trägt er das Feuer von Calypso und Steelbands in sich. Auch sein Vater ist musikalisch, er liebt Louis Armstrong und besteht darauf, dass sein Sohn mit dem vierten Lebensjahr Trompete spielen lernt. Anfang der Siebziger trennen sich die Wege der Eltern, die Mutter zieht es in die USA, den Vater nach Europa. Der Kleine entscheidet sich, mit dem Papa zu gehen, der ein rastloses Leben führt. Jobs für Meeresbiologen sind rar, also muss der alleinerziehende Vater mobil sein. Er arbeitet in Schweden, England und Holland, seinen Sprößling bringt er unter der Woche im Internat unter, die Wochenenden verbringen sie zusammen.
Mit sechzehn geht „Haddy“, wie seine Freunde ihn nennen, zu seiner Mama in die USA. Seither besitzt er eine Green Card, was für einen kosmopolitischen Musiker kein Nachteil ist. Hier entdeckt er amerikanischen Hard Rock von Kiss, Eagles, Journey, REO Speedwagon und Styx – seine erste musikalische Liebe. Daneben steht er auf Funk von Parliament und Funkadelic, Soul-Ikonen wie Aretha Franklin, Bill Withers und James Brown. In Europa hatte das Mittelstandskind nie Probleme mit seiner Hautfarbe, in Amerika dagegen führt sie zu Fragen. „Drüben gab es weiße und schwarze Radiosender. Ich fragte mich: Wo gehör´ ich hin?“, berichtet Haddaway. Auch nackter Rassismus enthüllt seine hässliche Fratze. „Als Student habe ich von 16-22 Uhr an einer Tankstelle gejobbt. Eines Nachts ging ich zu Fuß nach Hause und wurde von einem Pick Up Truck voller Rednecks regelrecht gejagt. Sie haben mich verflucht und mit Steinen beworfen.“
An der Uni spielt die Farbe der Haut zum Glück keine Rolle. Haddaway singt in einer Top 40 Band, bekanntlich eine hervorragende Schule für Musiker. Was immer neu in die Charts geht, schaffen die Jungs sich drauf. „Meine besten Freunde wissen, dass ich sechstausend verschiedene Songs singen kann“, verrät der Musiknarr nicht ohne Stolz. In dieser Zeit komponiert er sein erstes eigenes Lied. Priorität hat jedoch die Wissenschaft. „Ich hatte meinem Vater versprochen, das Studium zuende zu machen.“ An dem Versprechen ist nicht zu rütteln. Das Thema seiner Doktorarbeit lautet „Nordamerikanische Geschichte von den ersten mongolischen Einwanderern bis Amerigo Vespucci im 15. Jahrhundert“. Nach Ende der Prüfungen erhält er die Gesamtnote 1,2.
Erste Job-Erfahrungen in der amerikanischen Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind dagegen entmutigend. Haddaway sagt Big Business und Akademiker-Laufbahn „good bye“ und widmet sich ganz der Musik. „Wenn du mit deinem Hobby Geld verdienen kannst, greifst du zu“, sagt er.
1989 zieht er nach Köln, spielt Football bei den Cologne Crocodiles, arbeitet als Choreograph und Textilienhändler und macht Musik. Von der Trompete hat er sich inzwischen verabschiedet, „Frauen stehen nicht auf Trompeter“. Er spielt passabel Piano, Bass und Gitarre und hat diverse Bands am Start. 1992 kommt ihm der Song „What Is Love“ in die Finger. In einer langen Session macht Haddaway ihn sich zu eigen – der Rest ist Musikgeschichte. In beinah jedem Land Europas wird „What Is Love“ Nummer eins, nur in Deutschland nicht, da erreicht der Ohrwurm den zweiten Platz – das allerdings für 23 Wochen. In den USA gelangt er auf den vierten Platz der Singles Charts. (Drei Jahre später schafft der Song ein Comeback und stürmt die Pole Position in Amerika.) Es folgt eine Flut von Edelmetall sowie zwei Echos.
Kommen wir zu „Pop Splits“, Haddaways aktuellem Album. Es zeigt den Sänger, Komponisten und Musiker selbstbewusster, reifer und vielseitiger als je zuvor. Die ausgekoppelte Single „Spaceman“ etwa ist ein sensibler Mid-Tempo-Titel mit ungewöhnlichen Lyrics. „Der Spaceman bin ich, ein Mensch auf diesem Planeten mit Multi-Kulti-Standpunkt. Ich beobachte wie die Sterne sich bewegen. Ich singe zu den Planeten wie ich zu den Frauen singe. Ich gucke auf Pluto, Mars, Venus und lande am Ende auf der Erde.“ Daneben enthält die heißblütige Scheibe unwiderstehliche Tanzflächenfüller wie „Fallen Angel“ und „Not In My Bed“, deren ansteckende Grooves die Stimmung augenblicklich zum Brodeln bringen. In einer emotionalen Balladen wie „It Was Nice“ beweist Haddayway, dass er über eine klassische Soulstimme verfügt, vielleicht die stärkste in ganz Europa. „Catch You If I Can“ ist ein cooler Softrocker mit pulsierenden Rhythmen und bluesiger Mundharmonika, mit dem der Mann aus Trinidad/Tobago die Dame seines Herzens im Sturm erobert. Zudem gibt es ein feuriges Duett namens „Missionary Man“ mit der Amerikanerin und Wahl-Berlinerin Della Miles, das erste Duett seiner Karriere. Am Ende steht ein Album, das mit zeitloser Musik, jenseits aller Moden und Trends, überzeugt.
Alle Songs haben einen entscheidenden Test bereits hinter sich: „Ich frage immer Frauen, was sie davon halten, nie Männer. Frauen sind direkt und brutal ehrlich“, verrät Haddaway. Am Ende gab die weibliche Jury ihre Zustimmung. Wie könnte sie auch nein sagen zu einer Musik, die förmlich überquillt vor Emotion, Seele und Musikalität? „Ich bin begeistert vom Leben“, sagt Haddaway, ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht. Genau das hört man seinen Liedern an.