Die Biographie
Normalerweise können Bands, die es erst seit gut zwei Jahren gibt und die noch kein einziges
Album aufgenommen haben, auf etliches zurück blicken, bloß nicht auf eine Bandgeschichte.
Da geht es einem Quartett aus dem Raum Hannover gänzlich anders, zwei Umbesetzungen
des mit drei Frauen und einem Mann angetretenen Freundeskreises haben inzwischen weit
mehr als nur die Parität der Geschlechter hergestellt. „Gerade weil nicht immer alles
geradlinig lief“, sagt Schlagzeugerin Daniela Liesche, „hält der Kern jetzt immer fester
zusammen. Unsere Band wird immer mehr zu dem, was wir uns einmal darunter vorgestellt
haben.“ Ihre Kollegin und vor allem Freundin Carolin Schmieding nickt und lächelt, „jeder
weiß inzwischen auch, worum es geht und wie es weitergehen soll. Nämlich nicht nur nach
vorne, sondern auch nach oben.“
Verbal demonstrieren die beiden Frauen noch immer das einst feminine Übergewicht von
Planet Emily, als Band aber, die nie ein Casting erlebt hat, sind die vier so etwas wie ein
prima Kollektiv, wie unmodern dieser Begriff auch immer sein mag. Aber Planet Emily
konterkarieren sowieso gern Erwartungshaltungen und Klischees. „Unsere Diskussionen“, so
Gitarrist Lennart Baetge, „drehen sich inzwischen meist um zwei Dinge: Wie sieht es aus,
wenn es klappt – und wenn es nicht klappt, welchen Plan B haben wir dann? Wir wollen
jedenfalls keinem Straßenmusikanten den Job wegnehmen.“ Ein hübsches Understatement,
dem die Band noch etliche Normalitäten hinzu addiert.
„Wir albern inzwischen auch nicht mehr so viel herum wie früher“, merkt Daniela fast ein
wenig bedauernd an, „sondern fangen vor Konzerten auch schon mal um zehn Uhr morgens
mit den Proben an.“ Das alles aber schützt selbst Planet Emily nicht vor leidigen Vergleichen,
„ besonders mir“, sagt Carolin, „passiert das echt ziemlich oft. Ich werde dauernd mit Stefanie
von Silbermond verglichen, schwarze Haare, ähnliches Outfit, deutscher Rock, das genügt für
gewöhnlich.“ Muss man wohl mit leben, kann man auch. Immerhin offerieren Planet Emily ja
Texte, die des Zuhörens wert sind und sich wohltuend von der Konkurrenz abgrenzen, ohne
deshalb gleich snobby zu werden.
Eine wirkliche Hierarchie kennt die Band bei ihrer Arbeit nicht, „ ich lege zwar instrumental
vor“, sagt lennart, „dann jammen wir, bis eine Eigendynamik entsteht. Aber ich bin kein
großer Texter, da verlasse ich mich lieber auf den hoch kreativen Rest.“ Nicht einmal
erklärter Freund deutscher Texte ist Lennart, „ich weiß sehr genau, wie leicht man sich mit
denen fremdschämt. Das pasiert mir mit deutschen Texten, ehrlich gesagt, ziemlich oft.“
Carolin nickt, widerspricht aber dennoch, „das ist ja gerade die Herausforderung, sich nicht
hinter der englischen Sprache zu verschanzen.“ Werden wir ruhig noch esoterischer in unserer
Fragestellung: Schreiben womöglich Frauen sowieso grundsätzlich andere Texte als Männer?
„Ich glaube schon“, sagt Daniela, „ich glaube nicht“, meint Carolin, „ich glaube, das kommt
darauf an“, so Neuzugang und Nesthäkchen Timo. „Und ich“, scherzt Lennart, „glaube an
alles.“ Breites Grinsen. „Nein, mal ehrlich: Man schreibt für eine Sängerin andere Texte als
für einen Sänger. Und man muss sich einfach in seine Zielgruppe hinein versetzen.“
Wer aber ist das? In Zeiten, da Pop und Rock die Sache dreier Generationen sind und man
sich nicht mehr automatisch einer Zielgruppe U 20 widmen kann? „das ist doch toll“, so
Daniela, „wir haben ja gar keine Lust, ausschließlich für die 12-18-Jährigen zu spielen. Für
mich ist es ein großes Lob, wenn deren Eltern nach einem Konzert vorbei kommen und uns
sagen, ihnen habe das alles gut gefallen.“ Könnte schon sein, dass Planet Emily die Frage, ob
sie denn nicht am Ende doch gecastet seien, niemals werden beantworten müssen. Und wenn
doch, dann gibt es gute Antworten. „Überlegt haben wir uns die noch nicht“, sagt Daniela,
„aber zum Glück müssen wir sie uns gar nicht erst ausdenken.“